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  For Good
 
For Good: Über die Liebe und das Leben
von Ava Reed


Genre: Belletristik
Seitenzahl:
200
Erscheinungsjahr: 2016
eBook

Inhalt:
Was würdest Du tun, wenn Du das verlierst, was Deinem Leben einen Sinn gab? Das, was Du mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt hast. Würdest Du aufgeben? Nach dem Tod ihrer großen Liebe Ben, beginnt Charlie in Trauer zu versinken. Immer wieder erinnert sie sich an die vergangenen Zeiten, in denen sie ihn kennen- und lieben lernte. Doch der Verlust droht sie zu ersticken und blind zu machen für das, was das Leben ausmacht. Charlie zieht sich völlig zurück und beginnt zu verstehen, dass nichts je wieder so sein wird wie es einmal war.

Meine Bewertung:


Meine Meinung:
Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Das Cover ist wunderschön, der Klappentext klingt interessant und die Autorin ist mir durch ihre Internetpräsenz bekannt. Ava Reed ist eine junge, relativ unbekannte, deutsche Autorin, die (aus der Ferne) sehr sympathisch wirkt und die ich wirklich gerne supporten will. "For Good" ist das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, und ich würde gerne wie viele andere Rezensenten schreiben, wie toll es doch ist... doch leider konnte es mich überhaupt nicht überzeugen.

Wo soll ich anfangen? Die Geschichte empfand ich leider von vorne bis hinten unglaubwürdig. Frau und Mann begegnen sich, verlieren sich aus den Augen, treffen sich dann zufällig wieder und es ist die große Liebe. Okay, das kann schon mal passieren, leider wirkte es aber viel zu konstruiert; das bekommt sogar Hollywood besser hin.

Die Charaktere sind für mich leider sehr blass geblieben, was es mir sehr schwer gemacht hat, mit ihnen zu lieben und zu leiden. Zudem sind sie auch noch sehr klischeehaft und hatten keine Ecken und Kanten, die einen Charakter erst interessant machen. Ben ist der liebevolle, muskulöse, verschmitzt lächelnde, perfekte Mann mit "schwieriger" Vergangenheit. Charlie ist die aufopfernde, ihren Mann über alles liebende Frau, die ohne ihn anscheinend gar nicht mehr lebensfähig ist.

Charlies "Liebe" zu Ben erinnert eher an Bellas Besessenheit von ihrem Edward - er ist ihr Ein und Alles, ohne ihn ist sie nichts, ohne ihn ist das Leben nicht mehr lebenswert. Dass das ziemlich überzogen ist, wäre ja nicht einmal schlimm, wenn wenigstens die Gefühle rüberkommen würden. Aber leider konnte ich diese Liebe nicht wirklich nachempfinden.
Es gibt nie Streit zwischen den beiden, die Beziehung ist einfach zu perfekt und wirkt dadurch nicht eben authentisch. (In Kapitel 28 gibt es zwar einen klitzekleinen Konflikt, aber der wird aufgelöst, bevor er richtig entstehen kann und danach ich alles wieder Friede-Freude-Eierkuchen.)

Die Idee mit den beiden Zeitlinien fand ich sehr gut, aber auch hier wurde Potential verschenkt.
Man hätte daraus einen schönen Spannungsbogen machen können, denn auch wenn man durch die Gegenwart-Kapitel schon wusste, wie die Sache endet, blieben ja noch Fragen offen - Wie stirbt Ben? Wie findet Charlie zurück ins Leben? Die Antwort auf die erste Frage wird schon sehr früh angedeutet, sodass diese Spannung wegfällt.

Meine Motivation das Buch zu Ende zu lesen, war die Frage, wie Charlie zurück ins Leben findet. Und hier kam für mich dann die große Enttäuschung. Denn anstatt Charlie eine richtige Trauerbewältigung durchmachen zu lassen, wird hier lieber auf das große Drama gesetzt - und dazu noch eine sehr zweifelhafte Botschaft gesendet! (Ohne Spoiler kann ich hier nicht näher drauf eingehen.)

Vielleicht sind ein paar Leser in einer ähnlichen Situation wie Charlie, haben einen geliebten Menschen verloren und suchen in dem Buch Trost, Verständnis und einen Weg zurück ins Leben. Doch an Charlies Aktion sollte man sich wirklich kein Beispiel nehmen und ich finde es wirklich etwas grenzwertig, dass es so dargestellt wird, als wäre es die einzige Möglichkeit aus der Trauer herauszufinden (denn danach wird ja plötzlich alles wieder besser, oder?). Nein! Hier wurde wirklich auf das falsche Mittel zurückgegriffen, um beim Leser Gefühle auszulösen.

Leider greift die Autorin im Epilog dann noch einmal zu tief in die Trickkiste und beschert uns ein komplett kitschiges und unwirkliches Happy End. Diese "überraschende Wendung" (die ich mir übrigens schon denken konnte) ist einfach nur dazu da, dem Buch ein schnelles und sauberes Ende zu geben und den Leser mit einem guten Gefühl gehen zu lassen.

Bei mir hat das Buch leider kein gutes Gefühl hinterlassen. Die Kritikpunkte an der Story habe ich nun ausführlich dargelegt. Dazu kommt noch der Schreibstil, der zwar nicht schlecht ist, aber auch nicht herausragend. Viele Formulierungen sind einfallslos und wiederholen sich oft (es wird oft "stoßweise" geatmet, Bens Blick ist "warm", seine Stimme "rau" usw.)... wenn solche Allgemeinplätze hin und wieder verwendet werden, ist das ja okay, aber so häufig wie es hier vorkommt, wirkt es bald nur noch verbraucht und langweilig. Die Dialoge sind leider auch ziemlich platt und zusammen mit den blassen Charakteren ergibt das keine gute Kombination.

Es tut mir wirklich leid, dass ich keine positivere Rezension schreiben kann, denn die Grundidee von "For Good" hat Potential, aber es gibt einfach zu viele Dinge, die man hätte besser machen können. 

Nichtsdestotrotz werde ich noch andere Bücher der Autorin lesen. Ich denke, dass sie mehr kann und dass sie sich noch weiterentwickeln wird... und diese Entwicklung will ich nur ungern verpassen






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